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FOKUS Holzbau // Wohnraum mit Mehrwert

Holz spürt im mehrgeschossigen Wohnbau europaweit einen kräftigen Aufwind. Daher luden die Veranstalter proHolz Salzburg in Kooperation mit der Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten für Salzburg und Oberösterreich am 24. Jänner zur zweiten Auflage der Veranstaltungsreihe „FOKUS Holzbau“ zum Thema „Wohnraum mit Mehrwert“. Rund 100 Teilnehmer aus den Bereichen Architektur, Bauträger, Holzbau-Unternehmer, Politik und Hochschulen folgten den Vorträgen der hochkarätigen Referenten und sorgten für spannende Diskussionen.

„Holzhochhäuser wachsen wie Pilze aus dem Boden der internationalen Metropolen. Beispielsweise in Zürich, London, Trondheim, Helsinki, Berlin aber auch Wien und Graz entstehen Superlative des Holzbaus und wahre Leuchttürme. Das Know-How hierfür kommt größtenteils aus Österreich. Auch wir in Salzburg sind imstande, an diese Projekte anzuknüpfen. Doch es geht nicht nur darum, Superlativen zu erzeugen, sondern weiter in die Breite des Wohnbaus Einzug zu halten“, zeigt sich Ök.-Rat Rudolf Rosenstatter, Obmann von proHolz Salzburg, überzeugt.
Holz schafft Wohnraum mit Mehrwert. Dieser ist sowohl in seinem einzigartigen Wohngefühl zu finden als auch in den Gestaltungs- und Ausführungsbereichen. Zählt der Holzbau doch zu den schnellsten Errichtungsmöglichkeiten im Wohnbau. Möglich ist das durch eine sehr hohe Vorfertigung der Wand- und Deckenelemente in den Holzbaubetrieben und einer dadurch verringerten Montagezeit auf der Baustelle. Holzbauten punkten auch bei energetischen und ökologischen Aspekten.

Mehrgeschossiges Bauen in Holz für die 2.000 Watt-Gesellschaft
Diese Faktoren haben speziell das Bauen mit Holz in der Schweiz angekurbelt. Christoph Starck, Direktor von Lignum Schweiz, dem Dachverband der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, gab als erster Vortragender einen umfassenden Einblick in die Entwicklung des Holzbaus in der Schweiz und erläuterte auch die Metapher der „2.000 Watt-Gesellschaft“.
„Die 2.000 Watt-Gesellschaft steht für die Reduktion des weltweiten Primärenergieverbrauchs und der weltweiten CO2-Emissionen. Sie bedeutet, dass ein Mensch pro Jahr nicht mehr als 2000 Watt in all seinen Lebensbereichen von Wohnen, Arbeiten, Mobilität etc. verbraucht. Somit steht die 2000-Watt-Idee für Effizienz, Konsistenz und Suffizienz. Gleichzeitig aber auch für Begeisterung, Lebensqualität, Verantwortung, Gleichgewicht und Nachhaltigkeit. Sie dient als gemeinsames, identitätsstiftendes Gesellschaftsleitbild, wofür sich ein überdurchschnittliches Engagement lohnt. Die Idee entwickelt Kraft für eine nachhaltige Energiezukunft. Sie impliziert und ermöglicht die Messbarkeit, und erlaubt damit die Überwachung und Kontrolle der Anstrengungen“, so Christoph Starck.
Denken in Lebenszyklen. Was in der Schweiz vorbildlich umgesetzt wird, kann und soll auch bei uns Gültigkeit haben. Eine Investitionskostenrechnung alleine anzustellen und damit die gesamte Basis für zukünftiges Wohnen zu erstellen ist zu wenig, bauen für die Zukunft muss weiter denken, ressourcenschonend und enkerltauglich sein und Wohnraum mit Mehrwert schaffen. Die Betrachtung der Erhaltungs- und Entsorgungskosten bei einem Gebäude dürfen nicht weggeblendet werden, gilt es doch eine in Zukunft allumfassende Betrachtung von Gebäuden zu bewerten.

Ordnung im (Wohn)-Raum
Anschließend betrachtete Architekt Dipl.-Ing. Heinz Plöderl, Sektionsvorsitzender der Architekten an der Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten für Salzburg und Oberösterreich die Ordnung im (Wohn)-Raum.
Ordnung im Raum ist die Organisation des räumlichen Umfelds, sei es innerhalb der Wohnung, der Straße, dem “Viertel”, oder der eigenen Gemeinde, um weitest gehende Handlungsfreiheit zu bewahren. Jeder Mensch will seinen Raum ordnen. Da die Freiheiten des Einzelnen aber durch die Freiheiten aller anderen Menschen und den natürlichen Gegebenheiten begrenzt sind, führt dieses Bestreben zu Nutzungskonflikten. Ebenso führen wahrgenommene, vom Einzelnen nicht behebbare Defizite im Raum zu erzwungener Mobilität und erhöhen damit den Energie,- und Infrastrukturaufwand der Lebenshaltung, der indirekt von der gesamten Gesellschaft getragen werden muss.
„Ordnung im Raum, insbesondere im „Wohnraum“ als Lebensraum ist aus diesem Grund ein wesentliches gesellschaftspolitisches Interesse. Ordnung im (Wohn)RAUM ist ambitioniert und bleibt daher ein stetig in Umformung befindlicher Prozess: Die vielen menschlichen Einzelinteressen sind im Rahmen der natürlichen Gegebenheiten mit möglichst wenig Energieaufwand für alle unter einen Hut zu bringen“, so Plöderl.
Holz schafft Atmosphäre, Identität, ist individuell, nachhaltig und innovativ und leistet einen wesentlichen Beitrag zu einer CO2-neutralen Gesellschaft. Es verdichtet, indem neue Anbauten, Aufstockungen oder Sanierungen geschaffen werden. Und es strebt nach Höherem. „Holz ist die Chance für einen Paradigmenwechsel in Stadt- und Wohnraumplanung, um unsere Lebensräume attraktiv zu verändern“, ist Architekt Heinz Plöderl überzeugt.

Der USP des mehrgeschossigen Holzbaus
Architekt Dipl.-Ing. Werner Nussmüller setzt mit seinem Architekturbüro schon seit vielen Jahren erfolgreich auf den Baustoff Holz. In seinen Ausführungen zeigte der mehrfach prämierte Architekt Bauvorhaben, die die Entwicklung und Entstehung des mehrgeschossigen Holzbaus dokumentieren, und aktuelle sowie zukünftige Projekte in der Landeshauptstadt Graz, die nicht nur einzelne Gebäude sondern ganze Stadteile umfassen, auf.
„Mit der Realisierung des Plusenergieverbundes Reininghaus Süd ist ein Demonstrationsbauvorhaben geschaffen worden, das eine wirtschaftlich umsetzbare, technisch und organisatorisch innovative Lösung für der Zukunft schafft. Der Plusenergieansatz findet dabei nicht auf Ebene des einzelnen Gebäudes, sondern innerhalb eines multifunktionalen Gebäudeverbundes statt. In einem ersten Schritt wird das einzelne Gebäude optimiert und wandelt sich vom Energieverbraucher zum Energieerzeuger, im zweiten Schritt bringen Synergien innerhalb des Gebäudeverbundes eine weitere Optimierung des Systems“, beschreibt Nussmüller.

Die Podiumsdiskussion rundete das thematische Spannungsfeld zu Wohnraum mit Mehrwert ab. Landesrat Dr. Josef Schwaiger, Bürgermeister Günther Mitterer, Präsident des Gemeindeverbandes Salzburg und Dir. Ing. Stephan Gröger vom gemeinnützigen Bauträger „Heimat Österreich“ schlossen sich unisono der hohen Bedeutung von Holz als Baustoff an.

Vorträge